Stand der Dinge: Open Access in der Verwaltungsforschung

Welche Möglichkeiten es für offenes Publizieren von Artikeln und Büchern gibt, was das kostet und wie Autoren diese Gebühren refinanzieren können.

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Chen und Olijhoek 2016 haben weltweit 1000 wissenschaftliche Journals untersucht und ein Messinstrument zur Qualität von Open Access (OA) entwickelt. Aus dieser Studie sind leider keine spezifischen Ergebnisse für einzelne Forschungsgebiete, wie etwa die Verwaltungswissenschaften, ablesbar. Unter anderem wird hier, trotz des Themas der Studie, kein Datenmaterial zur Verfügung gestellt, an dem man dies hätte selbst nachvollziehen können! Melero et al 2017 greifen das von Chen und Olijhoek entwickelte Instrument aber auf und untersuchen mit diesem die spanische Journallandschaft. Hier sind die sozialwissenschaftlichen Journals diejenigen mit der höchsten OA-Rate und den stärksten Autorenrechten, wohl vor allem weil die Journals nach dieser Studie vor allem von Bildungs- und Forschungsinstitutionen herausgegeben werden. Diese arbeiten in der Regel gemeinnützig und machen mit der Veröffentlichung keinen Gewinn.

Open Access in Journals

Im Bereich der Verwaltungsforschung gibt es so gut wie keine vollständigen OA-Journals und wenn dann sind es häufig keine gerankten Journals. Ausnahmen für thematisch allgemeinere offene Journals bilden IPMR und JPMR (hier fällt eine Autorengebühr von 100 Dollar an). Auch gibt es einige thematisch sehr spezielle offene Journals, wie das International Journal of Climate Change Strategies and Management oder das einzige im Scimago-Ranking untern den Top 50 im Bereich ‚Public Administration‘ gelistete Journal Human Ressources for Health. Außerdem gibt es einige offen publizierte special issues, die zum Teil aber nur zeitbegrenzt Open Access sind. Solche offenen Teile von sonst geschlossenen Journals sind sicher vor allem dem Einsatz der jeweiligen Herausgeber zu verdanken. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist ein virtual issue bei IPMJ. Als Journal, dass sich zumindest öffentlich mit der eigenen Offenheitsstrategie aueinandersetzt, fällt im Bereich der Verwaltungsforschung als einziges PAR auf.

In so gut wie allen Journals, ist es möglich für goldenen Open Access zu bezahlen. Die Gebühren hierfür schwanken zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Die Konditionen für Rabatte bei diesen APC’s (article processing charge) unterscheiden sich bei so gut wie jedem Journal zusätzlich in Abhängigkeit vom Geldgeber oder davon aus welchen Ländern die Forschung stammt. Außerdem haben auch einige Institutionen selbst Arrangements mit Verlagen. In meinem Fall hat die Universität Potsdam beispielsweise eine Vereinbarung mit Taylor and Francis, die unter anderem PMR herausgeben, über eine rabattierte APC für Mitarbeiter der Universität. Zusätzlich haben verschiedene Journals unterschiedliche Embargozeiten für grünen Open Access, bei den meisten sind es allerdings 24 Monate. Hier unterscheiden sich Fristen für sozialwissenschaftliche Publikationen von denen naturwissenschaftlicher Journals, wo deutlich kürzere Embargofristen üblich sind.

Alles in allem heißt das für Autoren: Es ist umständlich sich darüber zu informieren, wo man unter welchen Bedingungen frei publizieren kann. Und Autoren müssen zusätzlich zu Kriterien, wie Angesehenheit eines Journals oder Passfähigkeit des Themas, auch solche über Open Access-Möglichkeiten in ihre Entscheidungsfindung mit einbeziehen. Um zumindest letzteres ein bisschen zu erleichtern, habe ich die Regelungen einiger  hochrangigen Journals im Bereich des Public Management zusammengestellt.

Offen publizierte Bücher

Dem Publikationsportal Publisso zufolge ist die offene Publikation von Monographien weitaus weniger üblich, als von Zeitschriften oder Artikeln. Dabei zeigen Emery et al. 2017, dass sich das offene Publizieren auch von Büchern lohnt: sie werden häufiger zitiert und häufiger online besprochen. Die offene Publikation von Büchern wird unter anderem durch die Universitätsverlage vorangetrieben, die sich hierfür auf europäischer Ebene auch zum Netzwerk OAPEN zusammengeschlossen haben.

Wenn Bücher offen publiziert werden, wird häufig kein reiner Open Access angeboten, sondern ein sogenannter hybrider Weg. Hierbei wird das Buch zusätzlich Printausgabe online frei veröffentlicht oder zusätzlich zur offenen online-Version eine print-on-demand-Möglichkeit angeboten.

Wer seine Monographie Open Access publizieren möchte, kann dies beispielsweise über die Universitätsverlage tun. Aber auch in diesem Bereich kann man sich Open Access bei den großen Verlagen erkaufen. Eine Monographie bei Routledge kostet etwa 10.000 britische Pfund plus Steuern.

Publikationen mehrerer Autoren

Interessant wird es – egal ob Buch oder Journalartikel – wenn mehrere Autoren an einer Publikation beteiligt sind. Selbstverständlich muss einstimmig über den offenen oder geschlossenen Zugang entschieden werden. Doch was gilt beispielsweise für Beiträge in Sammelbänden? Hier schließen in der Regel die Herausgeber:innen einen Vertrag mit einem Verlag ab. Dieser Vertrag regelt dann auch, inwieweit die Herausgeber:innen verpflichtet sind, mit den einzelnen Autor:innen deren rechte geklärt werden müssen. Über eine OA-Erstveröffentlichung entscheidet in der Regel der Verlag, meist in Absprache mit den Herausgeber:innen. Wenn diese beiden Parteien keinen Open Access vorsehen, können Autor:innen nur in einem Autorenvertrag die Rahmenbedingungen für eine offene Zweitveröffentlichung aushandeln. Einen Autorenvertrag gibt es aber häufig nur, wenn auch eine Vergütung für den Beitrag gezahlt wird. Wird für einen Beitrag keine Vergütung gezahlt, dann haben die Autor:innen das Recht, ihren Beitrag mit einer Embargofrist von 12 Monaten anderweitig zu verbreiten und offen zu publizieren, solange keine anderen Vereinbarungen getroffen wurden.

Finanzierung offener Publikationen

Wenn Gebühren für offenes Publizieren anfallen, so gibt es dafür so gut wie immer Refinanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel über von der DFG geförderten Publikationsfonds an Universitäten (Beispiel: Universität Potsdam) oder Graduiertenschulen. Dazu beraten in der Regel Universitätsverlage, Universitätsbibliotheken oder Dezernate für Forschungsangelegenheiten an Universitäten. Für freie Forscher erlassen die Verlage zudem in der Regel die APC’s.

Teurer goldener Open Access – Unterstützen oder nicht?

Doch für viele von offener Wissenschaft überzeugte Forscher bleibt hierbei die Frage: wollen wir dieses System des teuren goldenen Open Access unterstützen und viel Geld dafür bezahlen, dass wir offen publizieren dürfen? In einer interessanten Diskussion mit den Fellows und Mentor:innen des Programms ‚Freies Wissen‘ gab es einige Argumente dafür und einige dagegen. Für bezahlten Open Access in hochrangigen Journals im Gegensatz zu unbekannten Open Access Journals spricht für viele der Wert solcher Publikationen für eine akademische Karriere. Andererseits hält genau das auch diese problematischen Rekrutierungsmuster aufrecht. Mich überzeugte jedoch der Hinweis von Claudia Müller-Birn, wonach wir uns derzeit in einer Übergangssituation des wissenschaftlichen Publikationssystems befinden und wir alte Publikationsstrukturen durch Gebühren für offenes Publizieren noch unterstützen müssen, sich das System aber nach und nach ändern wird.

 

Zum Weiterlesen:

Einen interessanten historischen Überblick darüber, wie wissenschaftliches Publizieren Mitte des 20. Jahrhunderts vom (staatlich gewährleisteten) offenen Zugang durch die Privatisierung von Journals nach und nach immer geschlossener wurde, bietet Nancy Kranich in ihrem Artikel von 2006.

Die Medienwissenschaftlerin Sarah Mai Dang setzt sich auf ihrem Blog mit dem offenen Publizieren auseinander. Lesenswert sind vor allem die Beiträge zur Finanzierung von Open Access-Publikationen und der Publikation auf Preprint-Servern.

Hier räumt Martin Ballaschk mit einigen Mythen rund um geschlossenes und offenes Publizieren auf.

Joseph Esposito schreibt auf dem Blog ‚Scholarly Kitchen‘ zu Open Access Monographien.

Eine gute Übersicht zu Kosten für offenes Publizieren von Büchern gibt es hier.

 

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